Presseartikel WAZ 16.05.2007
Wer nichts wird . . .

. . wird Wirt, sagt der Volksmund. Beate Pfützenreuter, Wirtin des Gasthauses "Zum Deutschen", kann über diesen Spruch herzlich lachen - sollte sie doch eigentlich den Lebensmittelhandel ihrer Eltern übernehmen Eigentlich sollte es nur ein Nebenjob werden. Mit Anfang 20, als das Geld knapp war, fing Beate Pfützenreuter an zu kellnern. Das Gasthaus "Zum Deutschen" wurde zur zweiten Heimat - und die Kellnerin zur Wirtin. "Das war alles eher ein Zufall", meint die heute 42-Jährige. Dass sie sich irgendwann selbstständig machen würde, stand schon früh fest. Eigentlich war geplant gewesen, dass sie einmal den Lebensmittelhandel ihrer Eltern übernehmen sollte. Als 1995 ihr Chef, Theo Wiegel, in Rente ging, entschloss sich die gelernte Einzelhandelskauffrau, die Kneipe zu übernehmen.
Seither ist sie die Frau hinter dem Tresen. "Ich hatte acht Jahre harte Schule hinter mir", erzählt sie. Den Job habe sie, auch ihre offizielle Berufsausbildung, von der Pike auf gelernt. "Learning by doing" - aus der Erfahrung lernen - nennt sie das. Fünf volle Teller, oder zwei Tabletts mit Gläsern manövriert sie locker durch die Gasträume und den Biergarten. Balance und Kraft sind gefragt in der Gastronomie. Wichtiger jedoch ist die Menschenkenntnis. "Wenn das Wetter gut ist, sind die Gäste meistens auch gut drauf", meint Beate Pfützenreuter. Die Kunst des Wirtes sei es, auch übellaunige Gäste zufrieden zu stellen. "Manchmal kommen Leute, da merkt man von Anfang an, dass sie Streit haben. Wenn solche Gäste das Lokal entspannt verlassen, dann hat man seinen Job gut gemacht." Diplomatie, Schlagfertigkeit, Freundlichkeit: Das sind die Schlüsselqualifikationen. Von ihren Gästen wünscht sie sich vor allem eines: "Offene Worte, dass sie ihre Wünsche und Kritik auch äußern." "Man muss in der Gastronomie mit dem Herzen dabei sein, sonst wird das nichts." Beate Pfützenreuters Arbeitstag beginnt morgens gegen acht Uhr und endet abends, wenn der letzte Gast gegangen ist. Beständigkeit ist ihr wichtig. "Man muss die Gäste ernst nehmen", sagt sie. "Jeden Feiertag und jedes Wochenende muss man arbeiten", erklärt sie. Bei ihren Angestellten achte sie darauf, dass noch genug Zeit für Freizeitaktivitäten bleibe. Und bei sich selbst? "Ich habe zum Glück einen Partner, der sich nicht beschwert." Der Freundeskreis habe sich auf ihren Job eingestellt, und komme eben ins Gasthaus, um sie zu besuchen. Nicht jeder eigne sich für einen Job in der Gastronomie. "Man muss offen sein, und flexibel. Und natürlich muss man Spaß am Job haben." Dazu gehört auch, die eigene Laune ab und zu hinten an zu stellen. "Man muss sich schon zusammenreißen." Und immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Gäste haben. "Wir haben die rote Couch direkt an die Theke gebaut", meint sie lachend, und deutet auf eine Sitzbank. Hobbypsychologin, Eheberaterin und Ratgeberin - das sind die Nebenjobs - Schweigepflicht inklusive. "Kostet nicht extra", versichert sie. "Bei gutem Wetter haben die Gäste auch gute Laune."
16.05.2007 Von Nina Estermann WAZ Hattingen
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